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Innovationsexpertin fordert Klarheit im Fördersupermarkt

Sonja Sheikh, seit kurzem Chefin des KMU-Forschungsnetzwerks ACR, wünscht sich mehr Mittel für Kooperationen

Eine Fürsprecherin der anwendungsorientierten Forschung: Das will Sonja Sheikh in ihrer neuen Funktion als Geschäftsführerin der Austrian Cooperative Research (ACR) sein, eines Vereins gemeinnütziger Forschungsinstitute, dessen oberstes Ziel es ist, die Wettbewerbsfähigkeit von heimischen Klein- und Mittelbetrieben (KMU) zu stärken. Die promovierte Volkswirtin, geboren 1971 in Berlin, gilt seit Jahren als Innovationsexpertin. Einen Ruf, den sie sich in ihrer langjährigen Tätigkeit bei der KMU Forschung Austria, seit 2004 als stellvertretende Direktorin, erarbeitet hat. Sie war gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von WPZ Research und dem Institut für Höhere Studien (IHS) an der Evaluierung der Forschungsprämie 2017 beteiligt. Seit 1. Juli dieses Jahres leitet sie nun die ACR.

In jeder Diskussion über Forschungsförderung geht es selbstverständlich auch ums Geld und die Verteilung des Kuchens: Die Forschungsförderungsgesellschaft FFG hatte 2017 etwa das doppelte Budget (435 Millionen Euro) des Wissenschaftsfonds FWF (222,6 Millionen Euro) zur Verfügung. Für die Forschungsprämie, eine steuerliche Erleichterung für Unternehmen, die Innovation betreiben, wurden im Vergleichzeitraum gar 586 Millionen Euro ausgeschüttet. In einem Land wie Österreich, das also deutlich mehr Geld für Anwendungsforschung ausgibt als für grundlagenorientierte Wissenschaft, braucht es da überhaupt eine Fürsprecherin? Ja, meint Sheikh bestimmt, sie wolle gerade in Zeiten, in denen zu Recht mehr Geld für den FWF und eine Exzellenzstrategie gefordert wird, auf den wichtigen Wissenstransfer von der Forschung zur Wirtschaft hinweisen.

Die schon traditionelle ACR-Umfrage bei wahlwerbenden Parteien zu deren Haltung zur Industrieforschung passt ihr da natürlich ideal ins Konzept. Noch vor der Nationalratswahl am 29. September sollen die Ergebnisse vorliegen.

Mehr kooperative Forschung
Sie wolle auch darauf pochen, dass die kooperative Forschung, die Zusammenarbeit von Instituten mit Unternehmen, mehr unterstützt wird, sagt Sheikh am Rande der Technologiegespräche Alpbach. Dazu brauche man nicht schon wieder ein neues Programm entwickeln, sondern sollte die bestehenden zusammenlegen, damit in diesem „Stärkefeld des österreichischen Innovationssystems“ mehr Mittel als bisher fließen. Die von der Politik versprochene Autonomie der Förderagenturen innerhalb dreijähriger Leistungsvereinbarungen mache ihr diesbezüglich Hoffnung.

Die Innovationsstrategen der Agenturen hätten schon bekundet, gegen zu viele, zu kleine und zu wenig sichtbare Programme zu sein, und würden die Größenverhältnisse dahingehend sicher korrigieren. In einer Evaluierung der F&E-Landschaft Österreichs habe die KMU Forschung Austria bezüglich der vielen kleinen Programme von einem „Fördersupermarkt“ geschrieben. Nun könne man hier Hebel ansetzen, sagt Sheikh.

Hauptteil geht an Großunternehmer
An der Forschungsprämie, die seit der letzten Erhöhung bei 14 Prozent liegt, sollte man nicht rütteln, sagte Sheikh. Sie sei ein wichtiges Instrument zur Standortsicherung. Bei Betrachtung der Geldflüsse werde allerdingsklar: Der größte Teil des Kuchens geht an die großen Unternehmen. Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer hatte diesen „Gap“ im vergangenen Frühjahr beklagt und bessere Zugangsmöglichkeiten für KMU eingefordert. Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, bezeichnete im Rahmen der Technologiegespräche jeden „Angriff“ auf die Prämie „nicht als Schuss ins Knie, sondern in beide Knie“ und reagierte damit offenkundig auf Mahrers Einwurf.

Eine damit insinuierte Zweiteilung der Prämie – mehr Geld für kleinere, weniger für größere Unternehmen – sieht auch Sheikh kritisch. „Das würde möglicherweise mehr negative als positive Effekte bringen“, sagt sie. Bei der Evaluierung der Prämie durch KMU Forschung Austria, WPZ Research und IHS habe man sich gegen einen derartigen Rat an den Auftraggeber Finanzministerium entschieden.

Sie sei allerdings auch gegen eine weitere Erhöhung der Prämie. „Ohne das jetzt im Detail recherchiert zu haben: In der momentanen Situation passt das schon.“ Eine Erhöhung würde die Schere zwischen dem Anteil von Groß- und Kleinunternehmern nur weiter auseinandergehen lassen.

Mehr Zusammenarbeit über Branchengrenzen hinaus
Innerhalb der ACR würde sie gern branchenübergreifende Zusammenarbeit forcieren und Kooperationen zwischen naturwissenschaftlich-technischen und sozialwissenschaftlichen Instituten unterstützen. „Die Öffentlichkeit weiß ja kaum, dass wir davon drei haben.“ Neben der KMU Forschung Austria zählt sie das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) und das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) dazu. „Da gibt es noch Luft nach oben. Hier könnten beide Seiten profitieren.“ Die ACR gibt es seit 1954, seit 1995 wird sie durch das Wirtschaftsministerium unterstützt. Einen Wandel wie den derzeitigen hat es freilich noch nicht gegeben: Sheikh ist die erste Frau an der Spitze. Pressesprecherin Rita Kremsner wurde ihre Stellvertreterin. Und ab Juni 2020 wird auch eine Frau Präsidentin der ACR: Iris Filzwieser, Unternehmerin im Metallurgiebereich.

weitere Infos unter: Innovationsexpertin fordert Klarheit im Fördersupermarkt

5.9.2019, Quelle: Der Standard.at

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