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„In Österreich werden 12 % (ab dem Wirtschaftsjahr 2016) der Forschungs- und Entwicklungskosten gefördert. Eine europaweit einzigartige Förderung!“

STEUERLICHE FORSCHUNGSFÖRDERUNG IN ÖSTERREICH: DIE FORSCHUNGSPRÄMIE

In Österreich werden Unternehmen, die Forschung und Entwicklung betreiben, vom Staat finanziell unterstützt. Sie können für ihre bereits geleisteten Aufwendungen im Rahmen von Forschung und experimenteller Entwicklung im Nachhinein eine Forschungsprämie gemäß § 108c Einkommensteuergesetz (EStG) beim Finanzamt geltend machen.

Die Forschungsprämie beträgt für Wirtschaftsjahre ab 1.1.2016 12% und ab dem 1.1.2018 14% der förderwürdigen Aufwendungen für Forschung und experimentelle Entwicklung und steht jedem innovativen in Österreich steuerpflichtigen Unternehmen kraft Gesetzes zu. Bei Anerkennung durch das Finanzamt wird die Forschungsprämie als Gutschrift auf dem Abgabenkonto verbucht. Ein großer Vorteil der Forschungsprämie ist, dass sie einem Unternehmen auch beim Ausweis von Verlusten oder bei negativen Forschungsergebnissen zusteht.

Die Forschungsprämie ist für innovative Unternehmen ein wichtiges Standortargument für Österreich und laut Statistik Austria wurden im Jahr 2013 rund 500 Mio. Euro in Form der Forschungsprämie an Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen ausgezahlt.

TIPP: Laut Statistik Austria geben Unternehmen im Durchschnitt 3,1% ihres gesamten Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus.

Was kann gefördert werden?

Der Begriff „Forschung“ ist nach § 108c EStG und der dazu ergangenen Verordnung definiert. Ergänzend wird auch das Frascati-Manual (2015), das OECD-Handbuch für Forschungsstatistiken zur Begriffsabgrenzung herangezogen. Darunter fallen:

  • Neuentwicklungen wie Prototypen oder Pilotanlagen
  • Neu- und Weiterentwicklungen von Produkten
  • Neu- und Weiterentwicklungen von Verfahren
  • Experimentelle Entwicklung
  • Auch fehlgeschlagene Forschung und Entwicklung

Die Forschungstätigkeit kann im eigenen Betrieb oder als Auftrag an ein anderes Unternehmen durchgeführt werden. Je nachdem sind die Förderkriterien unterschiedlich bemessen:

  • Eigenbetriebliche Forschung: wird in einem inländischen Betrieb mit eigenem Personal durchgeführt. Die Forschungsprämie beträgt  12% (ab 1.1.2018 14%) der Aufwendungen für Forschung und experimentelle Entwicklung.
  • Auftragsforschung: ein Auftraggeber vergibt einen Forschungs- und Entwicklungsauftrag an einen inländischen oder in der EU/EWR ansässigen Dritten (z.B. an ein Unternehmen oder an eine Universität).

Der Auftraggeber kann 12% (ab 1.1.2018 14%) des Auftragsvolumens als Forschungsprämie, max. 1.000.000 Euro, für Auftragsforschung beantragen.

Vorsicht, denn Auftragsforschung innerhalb eines Konzerns bzw. einer steuerlichen Unternehmensgruppe im Sinne des § 9 KStG wird nicht gefördert.

Über die sonstigen Rahmenbedingungen bei der Förderung von Auftragsforschung informieren wir Sie gerne persönlich.

TIPP: Wichtig ist, dass die Aufwendungen der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten den gesetzlichen Vorgaben entsprechend richtig berechnet und dargestellt werden. § 108c des EStG und der Anhang II der Forschungsprämienverordnung zählen taxativ auf, welche Kosten zur Berechnung der Bemessungsgrundlage herangezogen werden dürfen.

Wer hat Anspruch auf die Forschungsprämie?

Die Forschungsprämie kann rückwirkend beantragt werden von:
•  jedem steuerpflichtigen Unternehmen in Österreich, welches die gesetzlichen Voraussetzungen der Forschungsprämie erfüllt
•  das Forschung und Entwicklungsleistungen im Inland durchführt ODER Forschungsaufträge an im EWR ansässige Dritte vergibt,
•  unabhängig von der Branche des Unternehmens.

TIPP: Viele Unternehmen würden sich nicht als „klassisches“ Forschungsunternehmen bezeichnen und meinen daher, keinen Anspruch auf Forschungsprämie zu haben. Fakt ist jedoch, dass viele und vor allem Produktions- und Technologieunternehmen Neuentwicklungen, Prototypen und Pilotanlagen schaffen oder die Weiterentwicklung und Verbesserung von Verfahren und Produkten initiieren. Diese Tätigkeiten sind im Sinne der Forschungsprämie prämienwürdig.

Wie wird die Prämie beantragt?

Der Prozess zur Geltendmachung der Forschungsprämie für eigenbetriebliche Forschung und experimentelle Entwicklung gestaltet sich, wie folgt:

  1. Zur Geltendmachung der Forschungsprämie muss ein Unternehmen nach Ablauf eines Wirtschaftsjahres einen Antrag an das zuständige Finanzamt stellen. Der Antrag wird in der Regel gemeinsam mit der Steuererklärung für ein abgelaufenes Wirtschaftsjahr eingereicht.
  2. Zusätzlich muss ein Gutachten der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) beantragt werden. Der Antrag besteht aus der Beschreibung von maximal 20 Projekten oder Schwerpunktsthemen. Jedes dieser Projekte/ jeder Schwerpunkt darf mit maximal 3000 Zeichen ohne Graphiken oder Bildern beschrieben werden. Das Gutachten der FFG befindet darüber, ob die eigenbetrieblichen Forschungsaktivitäten von Unternehmen, für die eine Forschungsprämie beantragt wird, im Sinne des Einkommensteuergesetzes und der dazu ergangenen Verordnung begünstigte Forschung und experimentelle Entwicklung sind.

Das Finanzamt stellt fest, ob die eingereichten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (die Bemessungsgrundlage) den rechtlichen Vorgaben entsprechend berechnet sind. Die FFG beurteilt, ob die inhaltlichen Voraussetzungen zur Inanspruchnahme einer Forschungsprämie gegeben sind.

  • Die FFG beurteilt nicht, ob die Bemessungsgrundlage für die Forschungsprämie richtig ermittelt worden ist.
  • Die FFG trifft keine Entscheidung über die Zuerkennung der Forschungsprämie. Diese Entscheidung wird vom zuständigen Finanzamt getroffen. In der Regel folgt das Finanzamt der Einschätzung der FFG.
  • Die FFG erstellt das Gutachten für das Unternehmen kostenlos.

Die Anforderung eines Gutachtens erfolgt über „FinanzOnline“ , dem elektronischen Zugang zur Finanzverwaltung und unterliegt streng geregelten Formalvorgaben. Das Gutachten der FFG wird dann automatisch über „FinanzOnline“ an das Finanzamt und an den Antragsteller übermittelt.

Erforderliche Gutachten – Jahresgutachten oder Projektgutachten?

Jahresgutachten

Für die Geltendmachung der Forschungsprämie ist im Normalfall das Vorliegen eines Jahresgutachtens der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) . (Ausnahme: für Auftragsforschung ist kein Gutachten nötig). Dabei prüft die FFG, ob die inhaltlichen Voraussetzungen gemäß den Bestimmungen des „Frascati“ Manuals gegeben sind. Die Richtigkeit der Bemessungsgrundlage wird vom Finanzamt geprüft.

Das Gutachten der FFG ist für das Finanzamt nicht bindend. Auch wenn das FFG Gutachten (welches auf Grundlage einer Beschreibung von maximal 3000 Zeichen pro Schwerpunkt bewertet wurde) negativ ist, kann das Finanzamt nach Vorlage von weiterer und umfassenderer Dokumentation dennoch die Forschungsprämie an das Unternehmen auszahlen.

Projektgutachten

Statt dem Jahresgutachten kann auch ein Projektgutachten jeweils für ein einzelnes Projekt bei der FFG beantragt werden.

Projektgutachten dienen als Grundlage für eine bescheidmäßige Forschungsbestätigung des Finanzamtes, dass die Voraussetzungen für eigenbetriebliche Forschung vorliegen. Es führt somit zu erhöhter Rechtssicherheit. Pro Projektgutachten wird ein Verwaltungskostenbeitrag von 1.000 Euro vorgeschrieben. Es kann für das laufende Jahr und für maximal drei Jahre in die Zukunft beantragt werden.

Optional: Bestätigung durch Wirtschaftsprüfer

Will man Rechtssicherheit über die Höhe der Bemessungsgrundlage bzw. die Art von deren Ermittlung erhalten, muss man dem Finanzamt zusätzlich eine Bestätigung eines Wirtschaftsprüfers vorlegen. Gemeinsam mit dem Jahresgutachten bzw. dem Projektgutachten und auf Basis dieser Bestätigung erlässt das Finanzamt in der Folge einen Feststellungsbescheid über die Höhe der Prämie.