Gastkommentar. Förderungen sind längst nicht nur ein Instrument zur kurzfristigen Entlastung, sondern ein strategischer Finanzierungsbaustein, der die Zukunftsfähigkeit nachhaltig stärkt.
27.05.2026 um 11:54von Eva Martischnig
Familienunternehmen sind der verlässliche Motor der österreichischen Wirtschaft und stehen zugleich vor der Herausforderung, laufend in Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, kurz: in die Zukunft investieren zu müssen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten gewinnen Förderungen daher an Bedeutung. Sie sind längst nicht nur ein Instrument zur kurzfristigen Entlastung, sondern ein strategischer Finanzierungsbaustein, der die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit nachhaltig stärkt.
Die österreichische Förderlandschaft bietet dafür eine Vielzahl an Möglichkeiten. Zu den zentralen Instrumenten zählt etwa die Forschungsprämie, mit der Unternehmen 14 Prozent ihrer F&E-Ausgaben steuerlich geltend machen können – themenoffen und unabhängig von der Unternehmensgröße. Ebenso relevant ist das FFG-Basisprogramm, das als technologieoffener „Allrounder“ Forschungs- und Entwicklungsprojekte über den gesamten Innovationszyklus hinweg unterstützt und damit gerade für KMU einen verlässlichen Finanzierungspfad darstellt.
Neben diesen bekannten Programmen existieren zahlreiche Förderungen, die im Mittelstand häufig unterschätzt werden. Ein Beispiel ist KMU.DIGITAL & GREEN, das gezielt bei der digitalen Transformation unterstützt – von der Analyse über die Strategie bis hin zur Umsetzung konkreter Maßnahmen. Auch europäische Programme wie Horizon Europe eröffnen Zugang zu attraktiven Mitteln.
Warum bleiben Förderungen dennoch häufig ungenutzt? Eine zentrale Hürde ist der wahrgenommene administrative Aufwand sowie teilweise die Komplexität, insbesondere von EU-Programmen. Förderanträge erfordern strukturierte Planung, belastbare Zahlen, eine adäquate strategische Ausrichtung. Genau darin liegt jedoch auch ihr Mehrwert: Die erforderliche Dokumentation stärkt vielfach interne Steuerungsprozesse sowie die Position gegenüber Stakeholdern und Stakeholderinnen.
»Wer die Förderlandschaft versteht und proaktiv nutzt, schafft sich damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.« Eva Martischnig, Director bei BDO
Ein weiterer Aspekt ist die zunehmende Dynamik in der Förderlandschaft. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass Fördermittel künftig stärker priorisiert, wettbewerbsorientierter vergeben und gleichzeitig administrativ vereinfacht werden sollen. Für Unternehmen bedeutet das: Der Wettbewerb um Förderungen steigt, während der Zugang durch effizientere Prozesse erleichtert wird.
Für Familienbetriebe ergibt sich daraus eine klare Handlungsempfehlung: Förderungen sollten nicht opportunistisch, sondern systematisch in die Finanzierungsstrategie integriert werden. Richtig eingesetzt, reduzieren sie nicht nur Kosten und Risiken, sondern ermöglichen Investitionen, die aus Eigenmitteln oft nicht realisierbar wären. Darüber hinaus fungieren sie als Qualitätssignal gegenüber Kapitalgebern und Kapitalgeberinnen und stärken die langfristige Positionierung am Markt. Wer die Förderlandschaft versteht und proaktiv nutzt, schafft sich damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil – gerade in Zeiten, in denen Zukunftsinvestitionen über den nachhaltigen Erfolg von Familienunternehmen entscheiden.
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