Warum die neue Verordnung den Innovationsstandort Österreich massiv gefährdet
Was ist die Forschungsprämie?
Die Forschungsprämie in Österreich ist ein wichtiges Instrument zur Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E). Sie bietet Unternehmen einen steuerlichen Vorteil in Höhe von 14 % der Forschungsaufwendungen, was zu einer höheren Wertschöpfung im Land beiträgt und den Standort international anerkennen lässt. Die Forschungsprämie ist somit einer der wichtigsten Standortvorteile Österreichs.
Einführung der Ziffer 7a „Marktnahe Forschung“ als struktureller Eingriff
Mit der Änderung der Forschungsprämienverordnung wurde vom Bundesministerium für Finanzen die Ziffer 7a eingeführt. Sie sieht vor, dass sogenannte „marktnahe Forschung“, einen Begriff den das BMF frei erfunden hat, also industrielle Forschung und experimentelle Entwicklung mit geplanter Kommerzialisierung, nicht mehr Teil der Bemessungsgrundlage sein soll. Dadurch reduziert sich die Bemessungsgrundlage in gewissen Branchen um bis zu 70% und es wird ein zentraler Bestandteil unternehmerischer Innovationsaktivitäten eingeschränkt.
Forschung und Markt sind kein Widerspruch
Unternehmen betreiben Forschung und Entwicklung mit dem Ziel, Innovationen erfolgreich am Markt zu kommerzialisieren. Gerade die experimentelle Entwicklung bildet die Brücke zwischen Forschung und wirtschaftlicher Anwendung. Schätzungen zufolge betrifft die Neuregelung rund 70 Prozent der industriellen Forschung- und Entwicklungstätigkeiten in Österreich.
Zahlen und Realität: Wieviel Forschungsprämie wird tatsächlich ausbezahlt?
Häufig wird auf die 1,1 Milliarden Euro verwiesen, die laut Statistik Austria im Jahr 2024 ausbezahlt wurden. Dabei wird jedoch nicht berücksichtigt, dass Prämien im Zuge von Betriebsprüfungen auch nachträglich gekürzt oder gestrichen werden können. Über das tatsächliche Ausmaß dieser Korrekturen gibt es keine transparenten Daten. Zudem stammen die Zahlen aus 2024 und bilden die aktuelle wirtschaftliche Lage nur eingeschränkt ab.
Wirtschaftliche Herausforderungen wirken sich direkt auf die Prämienhöhe aus
Hohe Energiekosten, Inflation und eine anhaltende Konjunkturschwäche setzen die Industrie unter Druck. Unternehmen investieren dadurch weniger in Forschung und Entwicklung. Da die Forschungsprämie unmittelbar an die Forschungsaufwendungen gekoppelt ist, sinkt auch ihr Volumen. Derzeit wird daher von rund 800 Millionen Euro ausgegangen und damit deutlich weniger als die häufig genannte Milliarde.
Kürzung mit weitreichenden Folgen für den Standort
Sollten durch die Einführung der Ziffer 7a jährlich 350 bis 500 Millionen Euro aus der Bemessungsgrundlage herausfallen, entspräche dies bei einem Gesamtvolumen von rund 800 Millionen Euro einer relativen Kürzung von etwa 50%. Damit wird ein wesentliches steuerliches Instrument zur Stärkung industrieller Forschung deutlich geschwächt. Betroffen wären insbesondere produzierende Unternehmen, technologieorientierte kleine und mittlere Betriebe sowie forschungsintensive Standorte. Der Wirtschaftsstandort Österreich würde damit nachhaltig geschwächt werden.
Unsere Initiative als ITS Förderberatung
Wir als ITS Förderberatung haben in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit zentralen Stakeholdern geführt, darunter die Industriellenvereinigung, die Wirtschaftskammer Österreich sowie die Kammer der Wirtschaftstreuhänder und Steuerberater. Ziel war es, die wirtschaftlichen Folgen der Verordnungsänderung darzustellen und sachlich auf die massiven Risiken hinzuweisen. Entsprechende Stellungnahmen wurden ausgearbeitet und auf politischer Ebene eingebracht.
Wir appellieren auch an alle forschenden Unternehmen, Ihre Interessenvertretungen zu informieren, den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern zu suchen und konkrete Praxisbeispiele einzubringen. Österreich darf seinen steuerlichen Standortvorteil im Bereich Forschung und Entwicklung nicht verlieren.