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Mehr Schub für Innovation

Mehr Schub für Innovation

Gastkommentar. Die Forschungsprämie stärkt die Standortattraktivität, die Arbeitenden profitieren von höheren Löhnen und Jobsicherheit.

Seit 2011 schießt der Staat den Unternehmen zehn Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben zu, seit 2016 sind es zwölf, und bald sollen es 14 Prozent sein. Etwa 75 Prozent der forschungstreibenden Unternehmen beanspruchen die Prämie. In der Zahl dominieren die kleinen KMU, im Volumen die großen Unternehmen. Diese geben in absoluten Beträgen bei weitem am meisten für F&E aus. Über 70 Prozent der Forschungsprämie geht an Betriebe mit einem Umsatz von über 50 Millionen Euro, den Rest beanspruchen die vielen kleineren KMUs. Im Jahr 2015 kostete sie gut eine halbe Milliarde Euro. Aber rechnet sich die Forschungsprämie auch?

Mit F&E legen die Unternehmen die Basis für ihr Wachstum. Wie sonst können sich Investitionen und neue Jobs rentieren, wenn die Firmen nicht vorher mit F&E einen Qualitätsvorsprung oder einen Kostenvorteil sichern und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern? Wenn die Qualität nicht stimmt und die Kosten zu hoch sind, kann kein Unternehmen Erfolg haben. Exportfirmen und multinationale Konzerne müssen nicht nur besser als die heimische Konkurrenz sein, sondern im weltweiten Wettbewerb bestehen. Das wissen die Unternehmen selber am besten. Muss der Staat deshalb die private F&E fördern?

Die Marktwirtschaft kann nur gut funktionieren, wenn die Unternehmen nicht nur alle Kosten tragen müssen, sondern auch alle F& E-Erträge selber exklusiv nutzen oder über Preise und Lizenzverträge in Rechnung stellen können. Aber gerade bei privater F&E fließt anderen Firmen etwa durch Erfahrungsaustausch und Personalwechsel ein Teil der Erträge gratis zu. Sie können vom neu geschaffenen Wissen und Know-how lernen und darauf aufbauen, ohne dafür zahlen zu müssen. Das spart Kosten für weitere F&E-Investitionen. Die private F&E fällt zu gering aus, wenn die Unternehmen zwar alle Kosten selbst tragen müssen, aber sich nur einen Teil der Erträge sichern können.

Der Staat kann „externe“ Erträge mit steuerlicher F&E-Förderung nach dem Verursacherprinzip ersetzen und mehr Innovation anschieben. Die Förderung macht nur Sinn, wenn sie der F&E genügend Schub verleiht. Sie rechnet sich, wenn ein Euro Steuergeld wenigstens einen Euro an zusätzlichen F&E-Ausgaben auslöst. Die Evaluation der Forschungsprämie hat für Österreich diesen Effekt mit 1,2 bis 2,2 Euro an zusätzlichen F&E-Ausgaben beziffert. Für Großbritannien wurde ein Effekt von 1,7 berechnet. Die deutsche Expertenkommission für Forschung und Innovation rechnet mit einem Wert von 1,33. Man kann also darauf vertrauen, dass das Steuergeld gut investiert ist.

Wenn das Investitionskapital mehr Einkommen und Beschäftigung schaffen soll, muss man es dorthin lenken, wo die Rendite besonders hoch ist. Gerade junge und rasch wachsende Firmen haben oft hoch profitable Projekte, die sie nicht verwirklichen können, weil sie die Finanzierung nicht bekommen. Die Forschungsprämie kann solche Engpässe überwinden helfen und damit Investitionen anstoßen, die wesentlich rentabler sind als anderswo.

F&E-intensive Unternehmen wachsen stärker, sind überdurchschnittlich produktiv und zahlen die höchsten Löhne. Für die hoch spezialisierten „Hidden Champions“ ist der heimische Absatzmarkt viel zu klein. Sie müssen 80 bis 100 Prozent ihrer Produktion exportieren. Weil sie international tätig sind und im weltweiten Wettbewerb stehen, stellt sich bei ihnen die Standortfrage besonders scharf. Die F&Eintensivsten sind gleichzeitig auch die mobilsten Unternehmen. Wegen ihrer hohen F&E-Intensität können sie mehr als andere von steuerlicher Forschungsförderung profitieren. Die Forschungsprämie festigt die Standortattraktivität dort, wo sie am dringendsten Verstärkung braucht. Sie wirkt daher gezielter und sparsamer als eine Absenkung von Steuersätzen querbeet.

Ja, die Forschungsprämie kostet Geld. Aber was bringt sie den Arbeitenden? Nach der „Benya-Formel“ sollen sich Lohnsteigerungen neben der Inflationsabgeltung am Produktivitätszuwachs orientieren, damit Vollbeschäftigung möglich bleibt. Die Arbeitnehmer sollten größtes Interesse daran haben, mit der Forschungsprämie Innovation und Wachstum zu forcieren und den Spielraum für höhere Löhne auszuweiten. Zudem erweisen sich F&E-intensive Betriebe als wesentlich krisenrobuster als andere Unternehmen. Was sonst wünschen sich die Arbeitenden mehr als gute Löhne und hohe Jobsicherheit?

mehr Infos unter: https://www.trend.at/standpunkte/mehr-schub-innovation-8076418

18.04.2017, Quelle: Trend

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